Die meisten, die "Fassade streichen" suchen, wissen schon, dass sie es selbst machen wollen. Was in den gängigen Anleitungen dazu meistens fehlt, ist nicht die grobe Reihenfolge, sondern die Entscheidungen dazwischen: Ist der Untergrund überhaupt noch tragfähig, welche Grundierung passt zu welcher Fassade, und wie trägst du die Farbe so auf, dass am Ende keine sichtbaren Ansatzstellen zurückbleiben.
Genau diese Lücke schließt dieser Artikel. Er führt dich durch die komplette Abfolge von der Untergrundprüfung bis zum zweiten Anstrich, mit den realen Verbrauchs- und Trocknungswerten aus den technischen Merkblättern unserer eigenen Fassadenfarben und Grundierungen, statt mit pauschalen Richtwerten.
Werkzeug und Material, die du brauchst
Bevor es losgeht, lohnt sich eine kurze Bestandsaufnahme. Fehlt am Streichtag ein Werkzeug oder das passende Vorbehandlungsmittel, steht die Arbeit unnötig lange still, gerade wenn ein Gerüst schon aufgebaut ist.
Werkzeug
- Hochdruckreiniger
- Maurerkelle zum Entfernen losen Putzes
- Langfaserige Fassadenwalze für strukturierten Putz
- Flachpinsel für Ecken und Kanten
- Malervlies zum Bodenschutz
- Abdeckband
- Rührquirl mit Bohrmaschine
- Farbwanne mit Abrollgitter
Ist deine Fassade überhaupt streichfähig?
Deine Fassade ist streichfähig, wenn der Putz beim Abklopfen nirgends hohl klingt, beim Wischtest kein Pulver an der Hand hängen bleibt und vorhandene Risse nicht breiter als etwa 0,2 Millimeter sind. Trifft eine dieser drei Bedingungen nicht zu, brauchst du vor dem eigentlichen Anstrich eine gezielte Untergrundvorbereitung, nicht einfach zwei Anstriche mehr zum Kaschieren.
Der Klopftest prüft, ob sich unter dem Putz Hohlräume gebildet haben. Du klopfst mit dem Griffende eines Werkzeugs oder den Fingerknöcheln in einem Raster über die Fläche und achtest auf den Klang. Ein dumpfer, hohler Ton bedeutet, dass sich der Putz vom Untergrund gelöst hat. Diese Stellen tragen später keine Farbe dauerhaft, egal wie gut die Farbe selbst ist.
Der Wischtest zeigt, ob die Oberfläche kreidet oder sandet. Fährst du mit der flachen Hand oder einem dunklen Tuch über die trockene Fläche und bleibt sichtbar Pulver hängen, ist die Fassade verwittert und braucht vor dem Anstrich eine verfestigende Grundierung. Ohne diesen Schritt zieht die neue Farbe die losen Partikel mit sich und blättert innerhalb weniger Monate wieder ab.
Bei Rissen entscheidet die Breite über das weitere Vorgehen. Haarrisse unter etwa 0,2 Millimetern überbrückt eine elastische Fassadenfarbe in der Regel problemlos. Breitere Risse oder Risse, die sich über die Jahreszeiten sichtbar öffnen und wieder schließen, deuten auf Bewegung im Bauteil hin, etwa durch Setzung oder Temperaturausdehnung. Diese Fälle löst kein Anstrich, auch keine noch so elastische Farbe.
Bewegte Risse gehören in Fachhände
Ein Riss, der sich messbar bewegt oder breiter als ein paar Millimeter ist, kann auf ein strukturelles Problem im Mauerwerk hinweisen. Überstreichen kaschiert das nur kurzzeitig, das Problem selbst bleibt bestehen und wird oft erst durch einen größeren Schaden wieder sichtbar. Lass solche Stellen von einem Fachbetrieb beurteilen, bevor du weiterstreichst.
Fassade streichen in 9 Schritten
Die folgende Reihenfolge gilt unabhängig davon, ob du eine Silikonharz- oder eine Dispersionsfarbe verarbeitest. Was sich unterscheidet, sind einzelne Werte wie Trocknungszeit oder Verbrauch, nicht die Abfolge selbst.
- 1
Fassade reinigen
Wartezeit: 1 Tage
Reinige die Fläche mit dem Hochdruckreiniger von unten nach oben, damit Schmutzwasser nicht in bereits gereinigte Bereiche zurückläuft. Algen- und Moosbewuchs, meist an schattigen Nord- und Ostseiten, brauchst du dabei besonders gründlich, da er sonst unter der neuen Farbe weiterwächst. Lass die Fassade danach mindestens einen Tag durchtrocknen, bevor du mit der Untergrundprüfung weitermachst. Feuchter Putz verfälscht sowohl den Klopf- als auch den Wischtest.
- 2
Untergrund prüfen und Schäden ausbessern
Führe Klopf- und Wischtest wie oben beschrieben über die komplette Fläche durch, nicht nur stichprobenartig an einer Stelle. Entferne losen Putz, indem du die Kelle unter die hohl klingende Stelle schiebst und ihn abhebelst, und arbeite die Fehlstelle mit passendem Ausbesserungsmörtel wieder auf Niveau. Bei Algenbefall reicht meist die gründliche Reinigung aus Schritt 1, hartnäckige Stellen brauchen zusätzlich einen algiziden Vorbehandler.
- 3
Fläche vermessen und Baustelle einrichten
Miss alle Längen und Höhen der Fassade aus, inklusive Fenster- und Türflächen, die du von der Gesamtfläche abziehst. Entferne oder demontiere störende Anbauten wie Rankhilfen, Lampen oder ein Vordach, und klebe Verankerungen ab, die du später wiederverwenden willst. Lege vor der Fassade ein Malervlies aus, das schützt Pflaster und Beete gleichermaßen vor Farbtropfen und Reinigungswasser.
- 4
Gerüst oder Leiter wählen
Bis etwa 3 Meter Arbeitshöhe reicht eine stabile Anlegeleiter mit Standsicherung. Darüber hinaus solltest du auf ein Gerüst wechseln, nicht aus Bequemlichkeit, sondern weil der seitliche Druck beim Rollen eine hoch ausgezogene Leiter zunehmend instabil macht. Lass ein Gerüst von einer Fachfirma aufstellen, gerade an einem Haus mit mehr als zwei Geschossen ist das kein Bereich für Eigenbau.
- 5
Passende Grundierung auswählen und auftragen
Wartezeit: 1 Tage
Normal saugender, unbehandelter Putz braucht den transparenten Tiefgrund. Hat der Wischtest aus Schritt 2 Kreiden oder Sanden gezeigt, greifst du stattdessen zum grünlich eingefärbten Hydro Tiefgrund, die Einfärbung zeigt dir beim Auftragen genau, welche Bereiche schon behandelt sind. Ist die Fläche eher glatt und dicht, etwa ein alter, tragfähiger Lackanstrich, ist der Hydro Gel Haftgrund die richtige Wahl.
Für normal saugenden, unbehandelten Putz. Lösemittelfrei, auch für schlecht belüftete Bereiche geeignet.
Für glatte, dichte Untergründe wie tragfähige Altanstriche. Gel-Struktur läuft an senkrechten Flächen weniger stark ab.
Trage die gewählte Grundierung gleichmäßig und unverdünnt auf und plane mindestens einen vollen Tag Trocknungszeit ein, bei kühler oder feuchter Witterung entsprechend länger.
- 6
Fassadenfarbe wählen und Menge berechnen
Für Wärmedämmverbundsysteme ist eine Silikonharzfarbe mit Filmkonservierung die sichere Wahl, für den klassischen Anstrich auf Putz, Beton oder Faserzement reicht eine wirtschaftliche Dispersionsfarbe. Beide Produkte unten unterscheiden sich vor allem im Bindemittel und im Verbrauch pro Quadratmeter, nicht in der Verarbeitung.
Silikonharz-Reinacrylat mit Filmkonservierung, für WDVS und tragfähige Altbeschichtungen. Verbrauch ca. 170 ml/m² pro Anstrich.
Siloxanverstärkte Acrylat-Dispersion für Beton, Porenbeton und Faserzement. Verbrauch ca. 160 ml/m² pro Anstrich.
Kriterium Fassadensilikon AF Extra Fassadenweiß Einsatzgebiet Wärmedämmverbundsysteme, Altbeschichtungen Beton, Porenbeton, Faserzement Verbrauch je Anstrich ca. 170 ml/m² ca. 160 ml/m² Reichweite 12,5-l-Gebinde ca. 73,5 m² ca. 78 m² Überstreichbar bei +20 °C / 65 % rF nach ca. 4 Std. nach ca. 4 bis 6 Std. Beispielprodukt Fassadensilikon AF 12,5 l Extra Fassadenweiß 12,5 l Beide Farben teilen sich dieselbe Verarbeitungslogik, unterscheiden sich aber im empfohlenen Untergrund und im Verbrauch. Miss die Fläche aus Schritt 3 gegen den tatsächlichen Verbrauch der gewählten Farbe, nicht gegen einen pauschalen Richtwert.
- 7
Voranstrich: Ecken und Kanten einschneiden
Beginne mit dem Flachpinsel an Fensterlaibungen, Hausecken, Dehnfugen und allen Stellen, an die die Rolle nicht sauber herankommt. Dieser Voranstrich schafft einen gleichmäßigen Rand, an den du später mit der Rolle anschließen kannst, ohne über die Kante hinauszurollen. Arbeite dabei streifenweise, nicht die ganze Fassade auf einmal, sonst trocknet der zuerst gestrichene Rand an, bevor die Fläche daneben folgt.
- 8
Endanstrich auftragen
Streiche der Sonne hinterher: beginne an der Seite, die gerade im eigenen Schatten liegt, und wechsle im Tagesverlauf zur nächsten schattigen Seite. Arbeite mit der Fassadenwalze im Kreuzgang, also abwechselnd senkrecht und waagerecht, und schließe jede neue Bahn an die noch feuchte Kante der vorherigen an. Diese nasse Kante, die sogenannte nass-in-nass-Verarbeitung, ist der Punkt, an dem die meisten sichtbaren Ansatzstellen entstehen, wenn er nicht eingehalten wird. Höre deshalb nie mitten auf einer freien Fläche auf, sondern nur an einer natürlichen Kante wie einer Fensterlaibung oder Gebäudeecke.
- 9
Trocknen lassen, zweiten Anstrich prüfen, Werkzeug reinigen
Wartezeit: 1 Tage
Lass den ersten Anstrich die volle Zwischentrocknungszeit stehen, bei den beiden Farben oben 4 bis 6 Stunden bei +20 °C und 65 % Luftfeuchte, bei kühlerer oder feuchterer Witterung entsprechend länger. Ein zweiter Anstrich ist bei den meisten Untergründen nötig, der erste egalisiert, der zweite bringt die eigentliche Deckkraft und den gleichmäßigen Farbton. Wasche Rollen und Pinsel direkt danach mit Wasser aus, solange die Farbe noch nicht angetrocknet ist, und entferne Abdeckband erst, wenn die Fläche daneben nicht mehr klebt.
Welche Fehler passieren beim Streichen am häufigsten?
Die häufigsten Fehler beim Fassadenstreichen entstehen bei der Anstrichtechnik, nicht bei der Farbauswahl: eine unterbrochene nasse Kante, das falsche Werkzeug für die Putzstruktur und ein zu früh begonnener Endanstrich. Alle drei zeigen sich erst nach dem Trocknen als sichtbarer Makel und lassen sich dann kaum noch unauffällig nachbessern.
Eine unterbrochene nasse Kante entsteht, wenn du mitten auf einer Fläche aufhörst oder eine Bahn zu lange liegen lässt, bevor die nächste folgt. An dieser Stelle überlappen sich die Farbschichten unterschiedlich stark, was als sichtbare Linie zurückbleibt. Eine nachträgliche Korrektur erzeugt fast immer einen neuen Ansatz an anderer Stelle, statt das Problem zu lösen.
Das falsche Werkzeug für die Putzstruktur ist der zweite häufige Fehler. Eine kurzflorige Innenraumwalze erreicht auf grob strukturiertem Putz die Vertiefungen nicht, sichtbare Rillen bleiben unversorgt und zeigen sich als heller Schleier, sobald die Sonne flach einfällt. Eine langfaserige Fassadenwalze ist hier Pflicht, keine Option.
Der dritte Fehler betrifft die Reihenfolge selbst. Wer den Endanstrich beginnt, bevor der Voranstrich an Ecken und Kanten durchgetrocknet ist, vermischt beide Schichten an genau den Stellen, die später am meisten auffallen, weil sie in Augenhöhe liegen und direktes Licht bekommen.
Fragen zu diesem Thema
Fassadenfarbe und Grundierung für dein Projekt finden
Silikonharz- und Dispersionsfarbe im Vergleich, dazu die passende Grundierung für deinen Untergrund, jeweils mit Verbrauch pro Quadratmeter und Preis pro Gebinde.
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