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Altbauwände streichen: So findest du heraus, was wirklich unter dem alten Anstrich steckt

Warum Altbauwände sich anders verhalten als eine Neubauwand, wie du mit einfachen Tests Leimfarbe, Kalkfarbe und lose Putzflächen erkennst und welche Grundierung du je nach Befund brauchst, bevor die neue Farbe drauf kommt.

Bei einer Neubauwand reicht meistens ein Blick: Gipskarton oder Gipsputz, ein, zwei Voranstriche, fertig. Bei einer Altbauwand weißt du das vorher nicht. Unter dem letzten Anstrich kann eine tragfähige Dispersionsfarbe stecken, aber genauso gut eine Leimfarbe aus den Sechzigern, ein Kalkanstrich auf Lehmputz, oder eine Putzfläche, die beim Antippen krümelt. Genau das ist der Unterschied, der bei den meisten allgemeinen Streich-Anleitungen fehlt: Sie erklären, wie du eine Wand streichst, nicht, wie du erst einmal herausfindest, mit welcher Wand du es überhaupt zu tun hast.

Dieser Artikel zeigt dir, wie du mit ein paar einfachen Tests den Untergrund einschätzt, bevor du Farbe kaufst. Du erfährst, wie du Leimfarbe und Kalkfarbe erkennst, warum die Putzart hinter dem Anstrich über die richtige Grundierung entscheidet, und in welcher Reihenfolge du vorgehst, wenn eine Altbauwand mehrere Probleme gleichzeitig hat.

Woran erkennst du, was für ein Anstrich schon auf der Altbauwand ist?

Drei einfache Tests zeigen dir in wenigen Minuten, womit du es zu tun hast: ein Feuchtigkeitstest mit dem Finger für Leimfarbe und Kalkfarbe, ein Klebeband-Test für die Tragfähigkeit, und ein Blick auf den Glanzgrad für einen alten Dispersionsanstrich. Alle drei zusammen ergeben ein klareres Bild als jede allgemeine Regel, weil eine Altbauwand über Jahrzehnte oft mehrere Anstriche übereinander gesehen hat.

Streich mit einem angefeuchteten Finger oder Schwamm über eine unauffällige Stelle der Wand und warte kurz. Wird die Fläche deutlich dunkler und lässt sich die Farbe dabei leicht verwischen oder kommt sogar am Finger ab, ist das Leimfarbe, dazu im nächsten Abschnitt mehr. Reagiert die angefeuchtete Fläche stattdessen mit einem leisen Schäumen oder wird beim Trockenreiben kreidig-griffig, deutet das auf einen mineralischen Kalkanstrich hin. Bleibt die Fläche dagegen unverändert und die Farbe haftet fest, hast du wahrscheinlich einen tragfähigen Dispersionsanstrich vor dir, den du wie eine normale Altfläche behandelst.

Für die Tragfähigkeit klebst du ein Stück Malerkrepp fest auf die Wand, drückst es an und ziehst es zügig wieder ab. Bleiben Farb- oder Putzreste am Band kleben, ist die Oberfläche nicht mehr ausreichend fest. Den Glanzgrad prüfst du am einfachsten mit schräg einfallendem Licht, etwa einer Taschenlampe im flachen Winkel zur Wand: Ein glänzender oder seidenmatter alter Anstrich braucht vor dem Streichen einen Haftgrund, dazu weiter unten mehr.

Werkzeug

  • Malerkrepp für den Klebeband-Test auf Tragfähigkeit
  • Sprühflasche oder Schwamm mit klarem Wasser für den Feuchtigkeitstest
  • Taschenlampe für den Glanzgrad-Test im Streiflicht

Was ist Leimfarbe, und warum darfst du sie nicht einfach überstreichen?

Leimfarbe ist ein wasserlöslicher Anstrich aus Leim, Kreide und Pigmenten, der in vielen Altbauten bis in die siebziger Jahre hinein Standard war und sich mit Wasser jederzeit wieder anlösen lässt, auch nach Jahrzehnten. Streichst du eine moderne, wasserbasierte Dispersionsfarbe direkt darüber, löst das Wasser aus der neuen Farbe die alte Leimschicht an, statt fest darauf zu haften. Die neue Farbe verliert dadurch ihren Halt und blättert oder reißt in großen Fladen wieder ab, meist schon nach wenigen Wochen.

Anders als bei einer festsitzenden alten Dispersionsfarbe hilft hier auch kein Haftgrund, weil das Problem nicht an der Oberfläche, sondern in der Schicht selbst liegt. Leimfarbe muss deshalb vollständig herunter, bevor du weiterarbeitest.

  1. 1

    Fläche anfeuchten

    Sprüh die Wand oder Decke abschnittsweise mit klarem Wasser ein, nicht die ganze Fläche auf einmal, sonst trocknet der erste Bereich schon wieder an, bevor du fertig bist.

  2. 2

    Kurz einwirken lassen

    Gib dem Wasser einige Minuten Zeit, um in die Leimschicht einzuziehen und sie anzulösen. Bei mehreren übereinanderliegenden Leimfarbschichten wiederholst du das Anfeuchten, bis die Fläche gleichmäßig weich wird.

  3. 3

    Mit Spachtel oder Bürste abtragen

    Trag die aufgeweichte Farbe mit einer breiten Spachtel oder einer stabilen Bürste flächig ab. Arbeite von oben nach unten, damit abgelöstes Material nicht in bereits gereinigte Bereiche tropft.

  4. 4

    Mit klarem Wasser und Schwamm nachwischen

    Wisch die Fläche anschließend mit einem sauberen, feuchten Schwamm nach, bis kein Leimfilm mehr spürbar ist. Eine glatte, nicht mehr klebrige Oberfläche ist das Ziel.

  5. 5

    Vollständig durchtrocknen lassen

    Lass die gereinigte Fläche komplett trocknen, das dauert je nach Raumklima einen halben bis einen ganzen Tag. Erst danach grundierst du, eine noch feuchte Fläche verdünnt die Grundierung und schwächt ihre Wirkung.

Kalkfarbe entfernst du ähnlich, aber mit mehr Aufwand

Reiner Kalkanstrich lässt sich, anders als Leimfarbe, nicht einfach mit Wasser ablösen, weil er mit dem mineralischen Untergrund verkieselt ist. Lose, abkreidende Bereiche bürstest du trocken ab, fest sitzender Kalkanstrich bleibt in der Regel als tragfähiger Untergrund stehen und wird nur abgekehrt und entstaubt, nicht abgewaschen.

Welcher Putz steckt hinter dem alten Anstrich, und warum ist das wichtig?

Ob unter dem Anstrich Kalkputz, Lehmputz oder Gipsputz sitzt, entscheidet direkt darüber, ob und mit welcher Grundierung du vorarbeiten musst, weil sich die Putzarten in Saugfähigkeit und Bindemittel deutlich unterscheiden. Bei Altbauten aus der Zeit vor den fünfziger Jahren findest du überwiegend Kalk- oder Kalkzementputz, oft auf Lehmunterputz, während spätere Sanierungen und Ausbauten häufig Gipsputz oder Gipskartonplatten nachgerüstet haben.

Für unsere eigene Deckfarbe Quadra Malerweiß gilt eine klare Regel, die sich auf die Putzart bezieht: Putze der Mörtelgruppen P II und P III, also Kalk- und Kalkzementputz, sowie Gipsputz der Mörtelgruppen P IV und P V, Gipsbauplatten und Beton grundierst du grundsätzlich einmal mit einem Tiefgrund vor. Nur auf festen, tragfähigen und nur leicht saugenden Untergründen im Innenbereich, etwa auf Raufaser, ungestrichener Prägetapete oder einer alten, tragfähigen Dispersionsfarbe, brauchst du keine zusätzliche Grundierung.

Lehmputz ist ein eigener Fall, weil er anders als Kalk- und Gipsputz nicht durchhärtet, sondern beim Trocknen bindet und bei erneutem Kontakt mit viel Wasser wieder aufweichen kann. Eine wässrige Grundierung trägst du hier nur sparsam auf, und eine Dispersionsfarbe mit geschlossenem Film ist auf reinem Lehmputz eher die Ausnahme als die Regel, weil sie die feuchteregulierende Eigenschaft des Putzes blockiert.

Gips auf feuchtebelasteter Altbauwand ist ein Risiko

Gipsputz und Gipskartonplatten nehmen Feuchtigkeit vergleichsweise gut auf, geben sie aber schlecht wieder ab und quellen dabei auf. Auf einer Altbauwand mit bekanntem Feuchteproblem, etwa in einem Keller- oder Sockelbereich, gehört Gips deshalb grundsätzlich nicht in den Wandaufbau. Kläre die Feuchtigkeitsursache zuerst, siehe dazu weiter unten, bevor du mit einem gipshaltigen Material arbeitest.

Wie testest du, ob der alte Putz noch tragfähig ist?

Ein Klebeband-Test zeigt dir zuverlässig, ob eine Putzfläche noch fest genug für einen neuen Anstrich ist: Klebe ein Stück Malerkrepp fest auf die Fläche und zieh es zügig wieder ab. Bleibt dabei Material am Band haften, ist die Fläche zu sandend oder krümelig, um direkt zu streichen. Das kommt bei Altbauwänden häufiger vor als bei Neubauten, weil alter Kalkputz über Jahrzehnte durch Frost, Salzeintrag oder einfach Alterung an Bindekraft verliert.

Eine sandende oder leicht krümelige, aber grundsätzlich intakte Putzfläche verfestigst du mit einer Tiefengrundierung, bevor du weiterarbeitest. Sie zieht in den porösen Untergrund ein und bindet lose Bestandteile, ohne die Fläche zu versiegeln.

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Bröckelt der Putz dagegen großflächig ab, lösen sich ganze Stücke, oder zeigt die Wand tiefe Hohlstellen, reicht eine Grundierung nicht mehr aus. Das ist ein Fall für eine neue Putzschicht oder eine fachgerechte Ausbesserung, nicht mehr für einen reinen Anstrich, hier lohnt sich vor dem Weitermachen eine kurze Einschätzung vor Ort, bevor du weiter Material kaufst.

Glänzt der alte Anstrich? Dann brauchst du einen Haftgrund

Ein glänzender oder seidenmatter alter Anstrich bietet einer neuen, matten Innenfarbe zu wenig Angriffsfläche zum Haften, deshalb reicht hier kein Reinigen und Anschleifen allein. Ein Haftgrund schafft die notwendige Verbindung zwischen der glatten Altfläche und dem neuen Anstrich, ohne dass du die gesamte alte Schicht erst entfernen musst.

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Befund an der WandPassende Grundierung
Sandender, leicht krümeliger, aber tragfähiger AltputzTiefgrund zum Verfestigen, etwa Quadra Tiefgrund Acryl-Hydrosol
Glänzender oder seidenmatter alter AnstrichHaftgrund für bessere Haftung, etwa Quadra WP-Haftgrund
Feste, matte, tragfähige Dispersion oder RaufaserKeine zusätzliche Grundierung nötig
Leimfarbe oder abkreidende KalkfarbeErst vollständig entfernen, danach je nach Putzart grundieren

Die Tabelle ersetzt keine eigene Prüfung vor Ort. Bei mehreren Befunden auf derselben Wand behandelst du jeden Bereich einzeln nach dem, was dort tatsächlich vorliegt.

Feuchtigkeit und Schimmel an der Altbauwand: was zuerst?

Feuchtigkeit und Schimmel an einer Altbauwand löst du nicht mit Farbe, sondern zuerst mit der Ursache: Ein neuer Anstrich, egal wie diffusionsoffen, kann eine defekte Abdichtung, eine Wärmebrücke oder aufsteigende Mauerfeuchte nicht ersetzen. Streichst du über eine Wand, die weiterhin feucht wird, kommt der Schaden zuverlässig wieder zurück, oft schneller als beim ersten Mal.

Ein Schimmelentferner behandelt den sichtbaren Befall auf der Oberfläche, damit du überhaupt wieder eine saubere Fläche zum Weiterarbeiten hast.

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Die eigentliche Feuchtigkeitsquelle, etwa ein undichtes Fallrohr, eine fehlende oder beschädigte Horizontalsperre im Mauerwerk oder dauerhaft zu wenig Lüftung in einem Altbau mit dichten neuen Fenstern, gehört in fachkundige Hände. Bei einem einzelnen, klar erklärbaren Feuchtefleck, etwa nach einem Wasserschaden, der bereits behoben ist, reicht dagegen die Vorbereitung wie in den Abschnitten oben. Bist du dir bei der Ursache nicht sicher, streich lieber noch nicht, sondern kläre das zuerst ab.

Dispersionsfarbe oder Silikatfarbe: was passt zu einer Altbauwand?

Auf einem tragfähigen, bereits mit Dispersionsfarbe gestrichenen Altanstrich bleibst du am einfachsten bei Dispersionsfarbe, weil reine Silikatfarbe nicht mit einer Kunststoffschicht verkieselt. Steht dagegen offener, mineralischer Altputz ohne Dispersionsschicht zur Verfügung, etwa nach dem Entfernen von Leim- oder Kalkfarbe, ist eine Silikat- oder Dispersionssilikatfarbe die diffusionsoffenere Wahl und passt vom Bindemittel her besser zum mineralischen Untergrund.

Welches Bindemittel im Detail zu welchem Untergrund, Raum und Budget passt, mit echten Preisen und einer Entscheidungshilfe, steht ausführlich im Ratgeber zu Dispersionsfarbe oder Silikatfarbe.

Wie gehst du vor, wenn die Wand mehrere Probleme gleichzeitig hat?

Bei einer Altbauwand mit mehreren Problemen auf einmal arbeitest du in einer festen Reihenfolge: erst die Ursache klären, dann Untergrund reinigen und tragfähig machen, dann Schäden ausbessern, erst danach grundieren und streichen. Wer diese Reihenfolge umdreht, etwa Risse verspachtelt, bevor die Wand richtig trocken ist, arbeitet doppelt.

Konkret heißt das: Zuerst prüfst du, ob die Wand feucht ist oder Schimmel zeigt, siehe oben. Ist das geklärt, testest du wie beschrieben auf Leimfarbe, Kalkfarbe und Tragfähigkeit. Danach folgen sichtbare Schäden wie Risse, dazu findest du die vollständige Anleitung im Ratgeber zum Risse verspachteln vor dem Streichen. Soll eine kräftig dunkle Altfarbe hell überstrichen werden, lohnt sich vorab ein Blick in den Ratgeber zu Wandfarbe mit hoher Deckkraft, weil ein einzelner Anstrich bei starkem Kontrast selten reicht. Klebt noch alte Tapete an der Wand, klärt der Ratgeber zum Tapete überstreichen, wann Überstreichen möglich ist und wann die Tapete erst runter muss.

Erst wenn all das erledigt ist, folgt der eigentliche Deckanstrich.

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Vor dem ersten Anstrich auf der Altbauwand

  • Feuchtigkeits- oder Schimmelursache klären, bevor gestrichen wird
  • Feuchtigkeitstest mit angefeuchtetem Finger: Leimfarbe oder Kalkfarbe erkennen
  • Klebeband-Test: Tragfähigkeit der Putzfläche prüfen
  • Glanzgrad im Streiflicht prüfen: braucht die Fläche einen Haftgrund
  • Bei Leimfarbe oder abkreidender Kalkfarbe: vollständig entfernen, nicht überstreichen
  • Risse oder andere Schäden ausbessern und vollständig durchtrocknen lassen
  • Passende Grundierung je nach Putzart und Befund auftragen, dann erst streichen
Häufige Fragen

Fragen zu diesem Thema

Nein. Leimfarbe ist wasserlöslich und löst sich beim Streichen mit wasserbasierter Dispersionsfarbe wieder an. Die neue Farbe verliert dadurch den Halt und blättert meist innerhalb weniger Wochen in großen Fladen ab.

Ein grober Anhaltspunkt ist das Baujahr: Vor den fünfziger Jahren errichtete Wände haben meist Kalk- oder Kalkzementputz, spätere Sanierungen oft Gipsputz oder Gipskartonplatten. Sicherheit bringt ein feuchter Fingertest, Kalkputz reagiert dabei mit leichtem Schäumen, Gipsputz nicht.

Nein. Auf festen, tragfähigen und nur leicht saugenden Untergründen wie Raufaser, ungestrichener Prägetapete oder einer alten, tragfähigen Dispersionsfarbe brauchst du keine zusätzliche Grundierung. Kalk-, Zement- und Gipsputz sowie Gipsbauplatten und Beton grundierst du dagegen grundsätzlich vor.

Ein Schimmelentferner behandelt nur den sichtbaren Befall auf der Oberfläche. Bleibt die Feuchtigkeitsursache bestehen, etwa eine undichte Stelle oder eine fehlende Horizontalsperre, kommt der Schimmel zurück, unabhängig davon, wie gründlich du gereinigt hast.

Nein. Reine Silikatfarbe verkieselt nur mit einem mineralischen Untergrund und haftet nicht dauerhaft auf einer alten Dispersionsfarbschicht. Auf einem bereits mit Dispersion gestrichenen Altanstrich ist eine Dispersionssilikatfarbe oder normale Dispersionsfarbe die sicherere Wahl.

Nach dem Entfernen von Leim- oder Kalkfarbe braucht die Wand je nach Raumklima einen halben bis einen ganzen Tag, um vollständig durchzutrocknen. Grundierst du eine noch feuchte Fläche, verdünnt sich die Grundierung und wirkt schwächer.
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