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Emissionsarme Wandfarbe: VOC, Konservierungsmittel und Raumluft

Was VOC-Werte auf dem Eimer wirklich aussagen, warum EU-Grenzwert und Blauer Engel zwei verschiedene Dinge messen, welche Konservierungsmittel in Wandfarbe stecken und wie du die Raumluft nach dem Streichen sauber hältst. Mit Datenblattwerten aus unserem Sortiment.

Auf vielen Eimern steht „emissionsarm“, „schadstoffgeprüft“ oder „für Allergiker geeignet“. Was dahinter steckt, erfährst du meist nicht. Ein VOC-Wert in g/l, ein Siegel, ein Hinweis auf Konservierungsmittel: Jede Angabe misst etwas anderes, und keine sagt allein, wie es in deinem Zimmer nach dem Streichen aussieht.

Dieser Ratgeber sortiert die drei Ebenen, die gern vermischt werden. Erstens: was in der Farbe im Eimer steckt. Zweitens: was die trocknende Farbe an die Luft abgibt. Drittens: was am Ende in deiner Raumluft messbar ist. Du liest, warum der gesetzliche VOC-Grenzwert und der Blaue Engel unterschiedlich streng sind, welche Konservierungsmittel in Wandfarbe stecken und wie konservierungsmittelfreie Farben trotzdem haltbar bleiben. Am Ende weißt du, was du auf einem Datenblatt nachschlagen solltest. Wenn es speziell um das Schlafzimmer geht, findest du Zeitplan und Farbwahl im Ratgeber zur Wandfarbe fürs Schlafzimmer. Für Kinder- und Babyzimmer gibt es einen eigenen Ratgeber zur Wandfarbe fürs Kinderzimmer.

Was bedeutet VOC bei Wandfarbe genau?

VOC steht für Volatile Organic Compounds, auf Deutsch flüchtige organische Verbindungen. Bei Wandfarbe zählen nach der EU-Richtlinie 2004/42/EG alle organischen Stoffe dazu, deren Siedepunkt bei höchstens 250 °C liegt. Für matte, wasserbasierte Innenwandfarben gilt ein Höchstwert von 30 g/l im gebrauchsfertigen Produkt.

Zu diesen Stoffen gehören Lösemittel, Restmonomere aus der Herstellung des Bindemittels und Hilfsstoffe, die den Farbfilm beim Trocknen zusammenhalten. Sie verdunsten bei Zimmertemperatur, und zwar am stärksten in den ersten Stunden und Tagen nach dem Anstrich. Wasser ist ausdrücklich kein VOC. Dass frische Farbe feucht riecht, liegt also nicht nur an den organischen Anteilen, sondern zu einem großen Teil am verdunstenden Wasser.

Die 30 g/l sind eine Obergrenze, kein Qualitätsmerkmal. Jede Innenwandfarbe im Handel muss sie einhalten. Wenn ein Hersteller „VOC-arm“ auf den Eimer schreibt und dabei 25 g/l meint, hat er formal recht und trotzdem nichts Besonderes geleistet. Erst wenn ein konkreter Wert deutlich darunter genannt wird, sagt die Angabe etwas aus. Quadra Premiumweiß KF nennt auf der Produktseite unter 1 g/l und stellt den EU-Grenzwert von 30 g/l direkt daneben. Das ist eine Herstellerangabe zum Gehalt in der Farbe.

Was ist der Unterschied zwischen VOC und SVOC?

VOC sind organische Stoffe mit einem Siedepunkt bis etwa 250 °C, SVOC (Semi Volatile Organic Compounds) sind schwerer flüchtige Stoffe mit einem Siedepunkt zwischen 250 und 370 °C. Die EU-Grenze von 30 g/l erfasst nur die erste Gruppe. Der Blaue Engel begrenzt beide getrennt: 700 ppm für VOC und 500 ppm für SVOC in der gebrauchsfertigen Farbe.

Das ist eine der wichtigsten Lücken zwischen Gesetz und Siegel. Viele Filmbildehilfsmittel, also Stoffe, die dafür sorgen, dass die Kunststoffteilchen der Dispersion beim Trocknen zu einem geschlossenen Film verschmelzen, sieden knapp über 250 °C. Ein verbreiteter Vertreter siedet bei etwa 254 °C. Nach der EU-Definition zählt er deshalb nicht als VOC und taucht im 30-g/l-Wert nicht auf. Er ist trotzdem in der Farbe enthalten und verlässt die Wand nur langsam, weil er schwer verdunstet. Genau diese Stoffe verursachen den Geruch, der nach dem Lüften noch tagelang leicht im Raum bleibt, und sie sind die typischen Kandidaten für Fogging.

ist der sichtbare Teil dieses Problems. Wenn ein Datenblatt „frei von foggingaktiven Substanzen“ nennt, ist das ein Hinweis darauf, dass die Rezeptur auf schwer flüchtige Stoffe geachtet hat. Bei Quadra Premiumweiß KF, MEGA 354 Supermatt und Caparol CapaGreen Indeko-plus steht diese Angabe auf der Produktseite.

Die Einheit ppm ist hier ein Massenanteil: 700 ppm sind 700 mg je Kilogramm Farbe. Weil ein Liter Wandfarbe grob 1,5 kg wiegt (MEGA 354 nennt ca. 1,50 kg/l), entspricht das etwa 1 g/l. Ein Wert wie „unter 1 g/l“ liegt also in genau dem Bereich, den auch der Blaue Engel als Obergrenze zieht. Vergleichen kannst du beides nur, wenn du weißt, dass der eine Wert pro Liter und der andere pro Kilogramm angegeben ist.

Warum sagt der VOC-Wert auf dem Eimer wenig über deine Raumluft?

Der VOC-Wert auf dem Eimer sagt wenig über deine Raumluft, weil er nur den Gehalt in der flüssigen Farbe beschreibt und nicht misst, was nach dem Auftragen tatsächlich in die Luft gelangt. Wie viel in welcher Zeit verdunstet, hängt von Rezeptur, Schichtdicke, Untergrund, Temperatur und Lüftung ab. Erst eine Messung in der Raumluft zeigt die Belastung in mg/m³.

Zwischen Farbe und Raumluft liegen drei Ebenen, die unterschiedlich gemessen und bewertet werden:

KriteriumGehalt im EimerEmission beim TrocknenBelastung in der Raumluft
Was gemessen wirdOrganische Stoffe in der gebrauchsfertigen FarbeStoffe, die ein Anstrich in einer Prüfkammer abgibtKonzentration der Stoffe in deinem Zimmer
Einheitg/l oder ppm (mg/kg)µg/m³ bzw. mg/m³ in der Prüfkammer, nach 3 und 28 Tagenmg/m³ (TVOC)
Typische BezugsgrößeEU: 30 g/l VOC. Blauer Engel: 700 ppm VOC, 500 ppm SVOCAgBB-Schema für Bauprodukte: TVOC höchstens 10 mg/m³ nach 3 Tagen und 1 mg/m³ nach 28 TagenUBA: 1 mg/m³ Richtwert im Dauerbetrieb, bis 3 mg/m³ kurz nach einer Renovierung
Was du daraus lernstWie viel flüchtiges Material in der Rezeptur stecktWie schnell das Produkt es tatsächlich abgibtWie es bei dir im Raum aussieht, inklusive Lüften und Möbeln
Drei Messebenen: Datenblattwerte beschreiben meist die linke Spalte, gesundheitlich relevant ist die rechte.

Wichtig für die Praxis: Eine Wandfarbe wird nie allein gemessen. Deine Raumluft besteht aus dem, was Farbe, Grundierung, Spachtelmasse, Tapetenkleister, neue Möbel und Bodenbelag abgeben. Wer nur die Farbe optimiert und dann eine lösemittelhaltige Grundierung dazunimmt, hat die Bilanz zurückgedreht. Prüfe deshalb Untergrundvorbereitung und Zubehör mit derselben Sorgfalt wie den Farbeimer.

Welche Raumluftwerte gelten nach einer Renovierung?

Für die Innenraumluft gilt beim Umweltbundesamt ein TVOC-Richtwert von 1 mg/m³, der im Dauerbetrieb nicht überschritten werden soll. Werte bis 0,3 mg/m³ gelten als unauffällig. Direkt nach einer Renovierung sind zeitlich begrenzt bis zu 3 mg/m³ tolerierbar, danach sollen die Werte spürbar sinken.

TVOC steht für Total Volatile Organic Compounds und meint die Summe aller flüchtigen organischen Stoffe, die ein Messverfahren in der Luft erfasst. 1 mg/m³ entspricht 1.000 µg/m³. Die Bewertung stammt aus dem TVOC-Konzept des Umweltbundesamts, das mehrere Stufen unterscheidet und als Grundlage für Raumluftgutachten dient. Die Zahlen sind Orientierungswerte, die Sachverständige nutzen. Einzelne Stoffe wie Formaldehyd haben eigene Richtwerte und werden gesondert bewertet.

Für dich als Heimwerker hat das zwei Konsequenzen. Die erste: Nach dem Streichen sind erhöhte Werte normal und kein Grund zur Sorge, solange sie in den Tagen danach fallen. Die zweite: Gerade die ersten Tage entscheiden, denn die Ausdünstung ist dann am stärksten. Wie du sie mit Lüften und Planung klein hältst, steht weiter unten. Wenn nach einigen Wochen weiter ein deutlicher Geruch oder Beschwerden bleiben, lohnt eine Messung durch einen Sachverständigen, dazu mehr in einem späteren Abschnitt.

Warum enthalten Wandfarben überhaupt Konservierungsmittel?

Wasserbasierte Wandfarben enthalten Konservierungsmittel, weil Wasser und organische Bestandteile einen guten Nährboden für Bakterien, Hefen und Schimmelpilze bieten und die Farbe im Eimer sonst verdirbt. Die Konservierung sorgt dafür, dass ein Gebinde nach der Herstellung mehrere Monate bis Jahre lagerfähig bleibt. Man spricht dann von Topfkonservierung, weil sie im Topf, also im Eimer, wirkt.

Verdorbene Farbe erkennst du am Geruch: Sie riecht faulig oder säuerlich, oft verändert sich auch die Konsistenz. Eine solche Farbe verwendest du nicht mehr, denn Gase und Abbauprodukte des Bakterienwachstums sind unangenehm und keine gute Grundlage für einen Anstrich.

Vom Topfschutz unterscheidet man die Filmkonservierung. Sie soll den trockenen Anstrich auf der Wand über Jahre gegen Pilze und Algen schützen und findet sich vor allem in Fassadenfarben. Für Innenwandfarben mit Blauem Engel ist sie nach den Kriterien von Anfang an ausgeschlossen. Das ist sinnvoll, denn in einem trockenen, gut belüfteten Wohnraum entsteht Schimmel nicht durch die Farbe, sondern durch Feuchtigkeit. Eine biozide Ausrüstung der Wand bringt dort wenig und belastet Innenräume unnötig.

Welche Konservierungsmittel stecken in Wandfarbe und was können sie auslösen?

In wasserbasierter Wandfarbe kommen als Topfkonservierer vor allem Isothiazolinone zum Einsatz, etwa MIT (Methylisothiazolinon), BIT (Benzisothiazolinon) und die Mischung CMIT/MIT (Chlormethylisothiazolinon mit MIT). Sie wirken zuverlässig gegen Mikroorganismen, können aber bei empfindlichen Menschen Kontaktallergien auslösen. Farben mit solchen Stoffen tragen deshalb einen Hinweis auf mögliche allergische Reaktionen.

Wie hoch das Risiko ist, hängt vom Weg ab. Der häufigste Auslöser ist direkter Hautkontakt beim Streichen, etwa an ungeschützten Handgelenken oder bei einem Spritzer im Gesicht. Die Kriterien des Blauen Engels erwähnen zusätzlich, dass sich bei bereits sensibilisierten Menschen in seltenen Fällen allein durch den Aufenthalt in einem frisch gestrichenen Raum eine allergische Reaktion ausbilden kann. Der Hintergrund für die Verschärfung: Isothiazolinone stecken auch in Kosmetika und Reinigungsmitteln, die Zahl sensibilisierter Menschen ist gestiegen, und die europäische Chemikalienagentur hat MIT neu bewertet. Die Folge war eine verschärfte Kennzeichnungspflicht.

Für den Blauen Engel bedeutete das eine deutliche Änderung. In den früheren Fassungen der Kriterien waren begrenzte Mengen von Isothiazolinonen erlaubt. Die Ausgabe Januar 2019 erlaubt für Innenwandfarben mit dem Siegel weder Topf- noch Filmkonservierungsmittel. Erlaubt sind nur noch Spuren, die über Rohstoffe in die Farbe gelangen, mit folgenden Höchstwerten in der gebrauchsfertigen Farbe:

  • BIT: höchstens 10 ppm
  • MIT: unter 1,5 ppm
  • CIT: unter 0,5 ppm
  • alle anderen Konservierungsmittel: unter 2 ppm je Einzelsubstanz
  • freies Formaldehyd: unter 10 ppm

Diese Werte sind so niedrig, dass sie keine konservierende Wirkung mehr im Eimer haben. Enthält die Farbe trotzdem nachweisbare Spuren, muss auf dem Gebinde und im technischen Merkblatt „Kann Spuren von Konservierungsmitteln enthalten“ stehen. Ohne diesen Hinweis darf die Farbe als konservierungsmittelfrei ausgelobt werden, dann gilt für alle Konservierungsmittel einschließlich Formaldehyd ein Höchstwert von 2 ppm, außer bei CIT (unter 0,5 ppm) und MIT (unter 1,5 ppm).

Wichtig zu wissen: Ein Hinweis auf Konservierungsmittel ist kein Warnsignal für jeden. Wer nicht allergisch ist, wird von den erlaubten Mengen nach heutigem Stand nicht krank. Er ist aber ein sinnvoller Filter, wenn im Haushalt jemand mit Neurodermitis, Kontaktallergien oder Asthma lebt.

Schutz beim Streichen gilt auch für konservierungsmittelfreie Farbe

Auch wenn die Farbe frei von Isothiazolinonen ist, trägst du beim Streichen Handschuhe und bei Überkopfarbeiten eine Schutzbrille. Silikatfarben und Farben mit Wasserglas sind alkalisch, ihr pH-Wert liegt im Bereich um 11. Spritzer in den Augen spülst du sofort mit reichlich Wasser aus.

Wie bleiben konservierungsmittelfreie Farben haltbar?

Konservierungsmittelfreie Wandfarben bleiben haltbar, weil ihre Rezeptur Mikroorganismen aus anderen Gründen keinen Nährboden bietet, vor allem durch einen hohen, alkalischen pH-Wert von etwa 11 und durch besonders saubere Herstellung und Abfüllung. Silikatbindemittel wie Wasserglas oder Sol-Silikat sind von Natur aus stark alkalisch. In diesem Milieu vermehren sich die meisten Keime nicht.

Das erklärt, warum unter den konservierungsmittelfreien Farben so viele Silikatfarben und Mischsysteme sind. Caparol Sylitol Bio ist eine reine Silikatfarbe. KEIM Innostar ist eine Sol-Silikatfarbe. Quadra Premiumweiß KF verbindet eine Acrylat-Dispersion mit Wasserglas, wie die Produktseite beschreibt. Caparol CapaGreen Indeko-plus ist dagegen eine Kunststoffdispersion und trotzdem konservierungsmittelfrei, hier setzt der Hersteller auf eine eigene Rezeptur mit Blauem Engel. Wie genau die Haltbarkeit erreicht wird, veröffentlichen die Hersteller in den Datenblättern nicht im Detail.

In der Praxis heißt das für dich zwei Dinge. Erstens: Verschließe angebrochene Gebinde sofort luftdicht und verunreinige die Farbe nicht, etwa durch Pinsel, die vorher in einem anderen Eimer waren, oder durch Wasser. Konservierungsmittelfreie Farben haben weniger Reserven, wenn Keime von außen eingeschleppt werden. Zweitens: Kaufe Mengen, die du innerhalb einer Renovierung verbrauchst. Reste konservierungsmittelfreier Farbe verbrauchst du besser zeitnah, statt sie ein Jahr im Keller zu lagern. Verbrauchswerte helfen bei der Planung, mehr dazu im Ratgeber, wie viel Farbe du brauchst. Zu den Unterschieden der Bindemittel findest du Details im Ratgeber zu Dispersionsfarbe oder Silikatfarbe.

Was heißt „konservierungsmittelfrei“ bei getönter Farbe?

Bei getönter Farbe muss „konservierungsmittelfrei“ nicht mehr gelten, weil Abtönpasten eigene Konservierungsmittel und Bindemittel mitbringen. Hersteller nennen die Angabe deshalb oft nur für die unabgetönte Version. Bei Quadra Premiumweiß KF steht auf der Produktseite, dass durch Abtönung die Konservierungsmittelfreiheit gegebenenfalls entfällt und sich technische Kenndaten ändern können.

Quadra erlaubt bei diesem Produkt eine Abtönung mit maximal 3 % Universal-Abtönpasten und empfiehlt einen Vorversuch, weil Pigmente ausschwimmen können. Der Blaue Engel regelt das ähnlich: Wird eine Farbe mit einer Paste abgetönt, die selbst nicht die Anforderungen erfüllt, gilt das Siegel für die abgetönte Mischung nicht mehr. Je kräftiger der Ton, desto mehr Paste steckt in der Farbe und desto größer ist die Abweichung von den Datenblattwerten. Bei Weiß und sehr hellen Tönen ist der Effekt gering.

Wenn Emissionen oder Konservierung für dich wichtig sind, hast du drei Wege:

  • Ein heller, zurückhaltender Ton mit wenig Paste. Das hält die Rezeptur nah am Original.
  • Ein werkseitig weißes oder altweißes Produkt, das ohne Abtönung auskommt. MEGA 354 Supermatt gibt es zum Beispiel in Weiß und Altweiß.
  • Eine Rückfrage beim Hersteller oder in unserem Team, ob es für die getönte Mischung ein Datenblatt oder eine Bestätigung gibt.

Welche emissionsarmen Innenfarben haben wir im Sortiment?

In unserem Sortiment gibt es emissionsarme Innenfarben in mehreren Preisklassen, darunter Caparol CapaGreen Indeko-plus mit Blauem Engel, Caparol Sylitol Bio als Silikatfarbe für Allergiker, KEIM Innostar als konservierungsmittelfreie Sol-Silikatfarbe, Quadra Premiumweiß KF mit unter 1 g/l VOC und MEGA 354 Supermatt als günstige emissionsminimierte Dispersionsfarbe. Die Unterschiede liegen in Bindemittel, Siegel und Preis pro Quadratmeter.

KriteriumCapaGreen Indeko-plusSylitol BioKEIM InnostarQuadra Premiumweiß KFMEGA 354 Supermatt
BindemittelKunststoffdispersionSilikatDispersionssilikat (Sol-Silikat)Acrylat-Dispersion und WasserglasKunststoffdispersion
KonservierungKonservierungsmittelfreiKonservierungsmittelfreiOhne KonservierungsstoffeKonservierungsmittelfrei in der unabgetönten VersionKeine Angabe auf der Produktseite
EmissionsangabeBlauer Engel (RAL DE-UZ 102), TÜV-geprüft auf Allergiker-EignungAllergenkontrollierte Rezeptur, lösemittel- und weichmacherfreiOhne Lösemittel und Weichmacher, C2C Certified SilverVOC unter 1 g/l, emissionsminimiert, lösemittel- und weichmacherfreiEmissionsminimiert, lösemittel- und weichmacherfrei (ELF, LF)
FoggingNicht foggingaktivKeine Angabe auf der ProduktseiteKeine Angabe auf der ProduktseiteFrei von foggingaktiven SubstanzenFrei von foggingaktiven Bestandteilen
Durchgetrocknet nachca. 3 Tage (20 °C, 65 % rel. Luftfeuchte)ca. 3 Tage (20 °C, 65 % rel. Luftfeuchte)Keine Angabe, überarbeitbar nach 6 Stunden (23 °C, 50 %)ca. 4 Tage (20 °C, 65 % rel. Luftfeuchte)Keine Angabe auf der Produktseite
Preis pro 12,5 l160,90 €91,90 €150,90 €107,90 €88,90 €
Kosten pro m² und Anstrichca. 1,61 €ca. 1,03 €ca. 1,51 €ca. 1,25 €ca. 1,00 bis 1,21 €
Angaben laut Produktseiten, Stand 23.09.2026, jeweils Weiß im 12,5-Liter-Gebinde. Kosten pro m² aus Preis und angegebener Ergiebigkeit, ohne Versand.

Den Kostenvergleich liest du am besten zusammen mit der Deckkraft. Indeko-plus und Innostar sind laut Produktseite in vielen Fällen mit einem Anstrich zu erledigen, bei Quadra Premiumweiß KF nennt die Seite doppelte Deckkraft. Bei einem hellen, glatten Untergrund kann eine teurere Farbe im Endeffekt günstiger sein, weil du einen Arbeitsgang sparst. Auf dunklen oder uneinheitlichen Altanstrichen ändert sich das, dort siehst du im Ratgeber zur Deckkraftklasse, worauf es ankommt.

Blauer Engel RAL DE-UZ 102, konservierungsmittelfrei und nicht foggingaktiv, Nassabriebklasse 1. Nach 4 bis 6 Stunden überstreichbar, nach etwa 3 Tagen durchgetrocknet.

Caparol CapaGreen Indeko-plus weiß

CaparolInnenwandfarben

Caparol CapaGreen Indeko-plus weiß

160,90 €inkl. MwSt.

Silikatfarbe, konservierungsmittel-, lösemittel- und weichmacherfrei, sd-Wert unter 0,02 m. Die günstigste konservierungsmittelfreie Option in diesem Vergleich. Verarbeitung ab +8 °C.

Caparol Sylitol Bio-Innenfarbe weiß

CaparolInnenwandfarben

Caparol Sylitol Bio-Innenfarbe weiß

91,90 €inkl. MwSt.

Sol-Silikatfarbe ohne Lösemittel, Weichmacher und Konservierungsstoffe, Cradle to Cradle Certified Silver. Nahezu geruchsfrei laut Hersteller, in den meisten Fällen ein Anstrich.

Keim Innostar weiß

KeimInnenwandfarben

Keim Innostar weiß

150,90 €inkl. MwSt.

Unter 1 g/l VOC (EU-Grenzwert Kat. A/a: 30 g/l), konservierungsmittelfrei in der unabgetönten Version, Nassabriebklasse 1. Abtönbar mit maximal 3 % Universal-Abtönpaste.

Quadra Premiumweiß KF 12,5l

QuadraInnenwandfarben

Quadra Premiumweiß KF 12,5l

107,90 €inkl. MwSt.

Emissionsminimierte, weichmacher- und lösemittelfreie Dispersionsfarbe, frei von foggingaktiven Bestandteilen, Nassabriebklasse 3. Zu den Konservierungsmitteln macht die Produktseite keine Angabe.

MEGA 354 Supermatt

MEGAInnenwandfarben

MEGA 354 Supermatt

88,90 €inkl. MwSt.

Die Wahl im Überblick: Für die sicherste Aussage zu Emissionen wählst du die Farbe mit dem Siegel, das ist hier Indeko-plus. Wenn Konservierungsmittelfreiheit und ein niedriger Preis zählen, ist Sylitol Bio die günstigste Silikatvariante. MEGA 354 ist die Wahl, wenn Budget vor Zusatzangaben geht und niemand mit Allergie im Haushalt lebt.

Wie liest du ein Datenblatt, um eine emissionsarme Farbe zu erkennen?

Du erkennst eine emissionsarme Wandfarbe im Datenblatt an fünf Punkten: einem konkreten VOC-Wert in g/l oder ppm, einem unabhängigen Siegel wie dem Blauen Engel, einer Aussage zu Konservierungsmitteln, einer Angabe zu Weichmachern und Lösemitteln sowie einer Aussage zu Fogging. Begriffe wie „schadstofffrei“, „gesund“ oder „öko“ sind nicht geschützt und sagen für sich nichts aus.

Das Prüfsiegel ist das stärkste Signal, weil eine unabhängige Stelle die Angaben geprüft hat. Ein Blauer-Engel-Zeichen bekommst du nur mit Prüfprotokollen für VOC- und SVOC-Gehalt und mit Analysen zu Konservierungsmitteln. Herstellerangaben ohne Siegel, etwa „emissionsminimiert“, sind trotzdem nützlich, wenn sie mit Zahlen belegt sind. Bei Quadra Premiumweiß KF ist das der VOC-Wert unter 1 g/l. Ohne Zahl bleibt es eine Behauptung.

Prüfliste für das Datenblatt

  • VOC-Wert in g/l oder ppm: Steht eine Zahl da, und liegt sie deutlich unter 30 g/l (Richtwert für den Vergleich: 700 ppm entsprechen etwa 1 g/l)?
  • Unabhängiges Siegel: Blauer Engel RAL DE-UZ 102, TÜV-Zertifikat oder Cradle to Cradle, nicht nur ein Werbebegriff
  • Konservierungsmittel: Steht „konservierungsmittelfrei“ drauf, und gilt das auch für den Farbton, den du kaufst?
  • Weichmacher und Lösemittel: Ist die Farbe ausdrücklich weichmacher- und lösemittelfrei?
  • Fogging: Gibt es die Angabe „frei von foggingaktiven Substanzen“ oder „nicht foggingaktiv“?
  • Trocknungszeiten: Überstreichbarkeit und Durchtrocknung sind zwei verschiedene Werte, plane mit der Durchtrocknung
  • Sicherheitsdatenblatt: Bei Allergien nimm es mit zum Arzt, dort stehen die Inhaltsstoffe und Kennzeichnungen

Ein Siegel ersetzt nicht das Lesen des Etiketts

Auch Farben mit Siegel können Spuren von Konservierungsmitteln enthalten. Der Blaue Engel schreibt in diesem Fall den Hinweis „Kann Spuren von Konservierungsmitteln enthalten“ auf dem Gebinde und im Merkblatt vor. Wenn du empfindlich bist, prüf den Hinweis vor dem Kauf.

Wie streichst du so, dass die Raumluft wenig belastet wird?

Die Raumluft belastest du beim Streichen am wenigsten, wenn du mit Stoßlüften arbeitest, die Trocknung nicht durch zu viel Wärme oder Feuchte störst und Untergrund, Grundierung und Spachtelmasse auf Emissionen achtest. Stoßlüften bedeutet, die Fenster mehrmals täglich 5 bis 10 Minuten ganz zu öffnen, statt sie dauerhaft zu kippen.

  1. 1

    Untergrund und Zubehör zuerst prüfen

    Prüfe bei Grundierung, Spachtelmasse und Kleister dieselben Punkte wie bei der Farbe: lösemittelfrei, mit Siegel oder Emissionsangabe. Die Farbe kann noch so emissionsarm sein, ein lösemittelhaltiger Tiefgrund verschiebt die Bilanz. Bei Nikotin- oder Wasserschäden hilft nur ein passender Sperrgrund, wie im Ratgeber zu Nikotinwänden beschrieben.

  2. 2

    Temperatur im Datenblatt einhalten

    Die Verarbeitungsgrenzen stehen im Merkblatt: bei Caparol CapaGreen Indeko-plus mindestens +5 °C, bei Sylitol Bio mindestens +8 °C, bei Quadra Premiumweiß KF mindestens +5 °C. Für die Trocknung reichen 18 bis 20 °C. Eine hochgedrehte Heizung lässt die Oberfläche schneller abbinden als die Tiefe, das kann zu Rissen oder Blasen führen.

  3. 3

    Am Streichtag mehrfach stoßlüften

    Öffne alle paar Stunden die Fenster für 5 bis 10 Minuten weit, am besten mit Durchzug. Dauerhaft gekippte Fenster tauschen wenig Luft aus und kühlen die Laibungen aus, das verlängert die Trocknung.

  4. 4

    Die ersten drei Tage konsequent lüften

    Die Datenblätter von Caparol Indeko-plus und Sylitol Bio nennen etwa 3 Tage bis zur Durchtrocknung bei 20 °C und 65 % relativer Luftfeuchte, bei Quadra Premiumweiß KF etwa 4 Tage. Höhere Luftfeuchte und niedrigere Temperaturen verlängern die Zeit. Auf diesen Zeitraum planst du dein Lüften, nicht auf die 4 bis 6 Stunden bis zur Überstreichbarkeit. Wie sich beides zum zweiten Anstrich verhält, steht im Ratgeber zur Trocknungszeit.

  5. 5

    Geruchsprobe machen, dann erst einziehen

    Geh aus einem gut gelüfteten Nachbarraum in das gestrichene Zimmer und atme bewusst ein. Riechst du noch etwas, lüfte weiter. Möbel und Textilien kommen erst zurück, wenn die Luft frisch ist, sonst nehmen sie Restgerüche auf und geben sie später wieder ab.

Wie lange du nachlüften musst, hängt auch von der Menge Farbe im Raum ab. Ein einzelnes Zimmer mit einem Anstrich ist schneller frisch als eine ganze Wohnung mit zwei Anstrichen auf Wänden und Decken.

Wenn du nur einen Raum zeitweise sperren kannst

Streiche zuerst den Raum, den du am wenigsten brauchst, und lass die Tür zum Rest der Wohnung geschlossen. So verteilt sich die Ausdünstung nicht in Wohn- und Schlafbereiche. Schlaf in dieser Zeit in einem anderen Zimmer.

Wann ist eine Raumluftmessung nach dem Streichen sinnvoll?

Eine Raumluftmessung ist sinnvoll, wenn ein deutlicher Geruch oder gesundheitliche Beschwerden wie Kopfschmerzen, gereizte Schleimhäute oder Atemprobleme mehr als etwa zwei Wochen nach dem Streichen anhalten, obwohl du regelmäßig lüftest. Ein Sachverständiger misst dann TVOC und einzelne Leitsubstanzen in mg/m³ und bewertet sie nach den Richtwerten des Umweltbundesamts.

Der Geruch allein ist dafür ein schlechter Ratgeber. Die Nase erkennt viele Stoffe bei Konzentrationen, die gesundheitlich unbedenklich sind, und übersieht andere. Gerade bei Renovierungen kommt es außerdem vor, dass der Geruch nicht von der Wandfarbe stammt. Nicht durchgetrocknete Spachtelmasse, ein feuchter Untergrund, alter Tapetenkleister oder Nikotinablagerungen in der Wand sind häufigere Ursachen. Wer solche Fälle nicht erkennt, tauscht schnell die Farbe aus und wundert sich, dass der Geruch bleibt.

Das Umweltbundesamt erwartet nach einer Renovierung, dass erhöhte TVOC-Werte innerhalb von etwa sechs Monaten deutlich abnehmen. Wenn eine Messung nach mehreren Wochen dauerhaft im Bereich über 3 mg/m³ liegt, ist das ein Grund, die Quellen im Raum systematisch zu suchen, statt nur mehr zu lüften.

Wann lohnt sich der Aufpreis für eine emissionsarme Farbe?

Der Aufpreis für eine emissionsarme Farbe lohnt sich vor allem in Schlaf-, Kinder- und Gästezimmern, bei Allergien oder Asthma im Haushalt und in Räumen, die nach dem Streichen schnell wieder genutzt werden. In selten genutzten Räumen wie Keller oder Abstellraum reicht meist eine günstige emissionsminimierte Dispersionsfarbe, wie MEGA 354 Supermatt sie bietet.

Bei den Werten aus unserem Sortiment liegen die Preisunterschiede pro Quadratmeter und Anstrich zwischen etwa 1,00 € und 1,61 €. Bei einem Zimmer mit 46,5 m² Wand- und Deckenfläche und zwei Anstrichen sind das ungefähr 93 m² Streichfläche. Zwischen der günstigsten und der teuersten Farbe in unserem Vergleich liegen damit rund 57 € Materialkosten. Dafür bekommst du eine Farbe mit Siegel, ohne Konservierungsmittel und mit einem klaren Nachweis, was in ihr steckt. Wenn du mit einer der Farben, die in vielen Fällen mit einem Anstrich decken, nur einmal streichst, halbiert sich die Differenz.

Wenn du unsicher bist, welche Farbe zu deinem Untergrund, deiner Raumnutzung und deinem Budget passt, hilft dir unser Team bei der Auswahl.

Quellen und Datenstand

Die Grenzwerte und Kennzeichnungsregeln stammen aus der Vergabegrundlage DE-UZ 102 „Emissionsarme Innenwandfarben“, Ausgabe Januar 2019 und aus der EU-Richtlinie 2004/42/EG. Zu Isothiazolinonen in Wandfarben informiert das Umweltbundesamt, die Innenraumrichtwerte stammen aus dem TVOC-Konzept des Umweltbundesamts. Produktangaben und Preise sind den jeweiligen Produktseiten in unserem Shop entnommen, Stand 23.09.2026. Kriterien und Datenblätter werden von den Herausgebern aktualisiert, prüf bei einer Kaufentscheidung deshalb das aktuelle Datenblatt.

Häufige Fragen

Fragen zu diesem Thema

VOC-arm beschreibt den Gehalt flüchtiger organischer Stoffe in der flüssigen Farbe, emissionsarm beschreibt, was die Farbe nach dem Auftragen tatsächlich an die Luft abgibt. Der EU-Grenzwert für matte Innenwandfarben liegt bei 30 g/l VOC, der Blaue Engel setzt bei 700 ppm VOC und 500 ppm SVOC an. Für die Emission zählt zusätzlich die Prüfung in einer Kammer, für die Raumluft die Messung in mg/m³.

Matte, wasserbasierte Innenwandfarben dürfen nach der EU-Richtlinie 2004/42/EG höchstens 30 g/l VOC enthalten. Der Blaue Engel (DE-UZ 102) erlaubt höchstens 700 ppm VOC und 500 ppm SVOC in der gebrauchsfertigen Farbe. 700 ppm entsprechen bei einer Farbdichte von etwa 1,5 kg/l rund 1 g/l.

Konservierungsmittelfrei heißt bei Farben mit dem Blauen Engel, dass jedes Konservierungsmittel einschließlich Formaldehyd auf höchstens 2 ppm begrenzt ist, bei CIT unter 0,5 ppm und bei MIT unter 1,5 ppm. Diese Spuren gelangen meist über Rohstoffe in die Farbe und konservieren sie nicht. Enthält die Farbe nachweisbare Spuren, steht auf dem Gebinde „Kann Spuren von Konservierungsmitteln enthalten“.

Beim Abtönen kann die Konservierungsmittelfreiheit entfallen, weil Abtönpasten eigene Konservierungsmittel enthalten können. Quadra nennt für Premiumweiß KF ausdrücklich, dass die Freiheit von Konservierungsmitteln für die unabgetönte Version gilt, und erlaubt höchstens 3 % Universal-Abtönpaste. Frag vor dem Tönen nach dem Datenblatt der getönten Mischung.

Der Großteil der Ausdünstung frischer Wandfarbe klingt in den ersten Tagen ab, die Durchtrocknung dauert laut Datenblatt bei Caparol Indeko-plus und Sylitol Bio etwa 3 Tage und bei Quadra Premiumweiß KF etwa 4 Tage (20 °C, 65 % relative Luftfeuchte). Schwer flüchtige Stoffe verdunsten langsamer und können in Spuren länger im Raum bleiben. Mit regelmäßigem Stoßlüften sinkt die Belastung am schnellsten.

Silikatfarbe ist nicht automatisch emissionsärmer, kommt aber häufiger ohne Konservierungsmittel, Lösemittel und Weichmacher aus, weil ihr alkalisches Bindemittel Keime hemmt. Caparol Sylitol Bio und KEIM Innostar sind Beispiele für Silikatfarben ohne Konservierungsstoffe. Konservierungsmittelfreie Dispersionsfarben wie Caparol CapaGreen Indeko-plus zeigen, dass es auch mit Kunststoffdispersion geht.

Eine Raumluftmessung ist sinnvoll, wenn Geruch oder Beschwerden mehr als etwa zwei Wochen nach dem Streichen trotz regelmäßigem Stoßlüften anhalten. Ein Sachverständiger bewertet dann TVOC nach den Richtwerten des Umweltbundesamts: 1 mg/m³ im Dauerbetrieb und zeitlich begrenzt bis 3 mg/m³ nach einer Renovierung.
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